1 Einleitung
2 Die Kategorie Raum als Gegenstand der Literaturwissenschaft
3 Das Raummodell nach Jurij M. Lotman
3.1 Die Sprache der Literatur
3.2 Lotmans Raummodell als narratologisches Analyseverfahren
3.2.1 Die Raumstruktur des Sujets
3.2.2 Das Ereignis als Grenzüberschreitung
4 Modifikation des Sujetmodells bei der Erzähltextanalyse
4.1 Revolutionäre und restitutive Texte (Scheffel/Martinez)
4.2 Destabilisierung binärer Oppositionen (Taubenböck)
4.3 Mengentheoretische Rekonstruktion (Renner)
5 Fazit
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5 Fazit
Im ersten Teil der Arbeit wurden die grundsätzlichen Schwierigkeiten erörtert, die sich bei der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Kategorie Raum ergeben. Einerseits sind diese Probleme durch die schwierige Objektivierbarkeit des literarischen Raumes bedingt, zum andern durch die generelle Tendenz innerhalb der Forschung, die Kategorie Zeit als wesentliches Konstitutionsmerkmal der Erzählung anzusehen. Beides führte dazu, dass man sich weder auf eine einheitliche Terminologie einigen konnte, noch wurde ein ebenso brauchbares heuristisches Modell für die Erfassung des Raumes entwickelt, wie es bezüglich der Zeit die grundlegende Unterscheidung zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit darstellt.[57]
Das strukturalistisch-semiotisch ausgerichtete Raummodell Jurij M. Lotmans hat sich wegen seiner klaren und überschaubaren Methodik als äußerst praktikables Analyseverfahren erwiesen. Durch die Integration historischer und kultureller Fragestellungen eröffnet Lotmans Ansatz ein weitaus größeres Untersuchungsspektrum, als dies bei anderen, rein textimmanent verfahrenden Theorieentwürfen der Fall ist. In gewisser Weise kann der an einigen Stellen eher tentative Charakter der Ausführungen Lotmans als problematisch angesehen werden. Solch offene Fragestellungen werden aber in vielen Fällen zum Ausgangspunkt für eine weiterführende Präzisierung, Erweiterung oder Modifikation des Analysemodells, das dadurch der jeweiligen Forschungsabsicht adäquat angepasst werden kann.
Obwohl der Geltungsanspruch des Sujetmodells hinsichtlich narrativer Texte, die keine ausgeprägte räumliche Struktur aufweisen, einzuschränken ist, kann sein besonderer heuristischer Wert bei der Textanalyse nicht in Frage gestellt werden.[58] Dieser wird nicht nur bei der Erfassung der Handlungsstruktur geeigneter Texte ersichtlich. Aufgrund der texttranszendierenden Betrachtungsweise und der Integration kulturtypologischer Fragestellungen führt der Lotmansche Ansatz auch bei literaturhistorischen und gattungsspezifischen Untersuchungen zu guten Ergebnissen.
[57] Vgl. Hoffmann, Gerhard: Raum, Situation, erzählte Wirklichkeit. Poetologische und historische Studien zum englischen und amerikanischen Roman. Stuttgart 1978. S. 1.
[58] Lotmans grundlegendes Werk Die Struktur literarischer Texte gehört mittlerweile zu den Standardtexten literaturwissenschaftlicher Einführungsseminare. Auch bei der literaturdidaktischen Vermittlung im Deutschunterricht der Oberstufe wird auf das Lotmansche Analyseverfahren wegen seiner Anschaulichkeit zurückgegriffen. Vgl. hierzu: Röttger, Brigitte: “Robert Musil ‘Das Fliegenpapier”. Eine strukturale Analyse anhand der Kategorien Ju. M. Lotmans. In: Dietrich, Peter (Hrsg.): Sub Tua Platano. Festschrift für Alexander Beinlich. Emsdetten 1981. 509-515.
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